Wie setzen Kommunen außerhalb Deutschlands Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE, engl.: Education for Sustainable Development (ESD)) um? Und welche Ideen lassen sich in deutschen Kommunen adaptieren? Diesen Fragen wollen wir in einer verbundweiten Sonderveranstaltung unserer Lernraum-Serie nachgehen.
Konkret und praxisnah werden Mitarbeitende der Kommunalverwaltungen aus Barcelona (Spanien), Espoo (Finnland), Larissa (Griechenland) und Okayama (Japan) ausgewählte Praxisbeispiele vorstellen. Anschließend wird im offenen Austausch und anhand gezielter Fragestellungen mit den gewonnenen Impulsen gearbeitet.
Die Veranstaltung bietet erste Anknüpfungspunkte für eine internationale Vernetzung und einen direkten Austausch mit den fortgeschrittenen Modellkommunen des BNE-Kompetenzzentrums über alle drei Standorte hinweg.
Internationaler Lernraum
digital (Webex)
Die Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich.
Programm
9.00 Willkommen
Begrüßung durch Dr. Lea Schütze (Leiterin Standort Süd, BNE-Kompetenzzentrum)
Anschließend gegenseitiges Kennenlernen der Teilnehmenden aus den Modellkommunen
Dieser Programmpunkt findet in deutscher Sprache statt.
9.45 Einführung
"Promoting Action on local level in the UNESCO-Programm „ESD for 2030“ in Germany"
Vortrag von Dr. Andrea Ruyter-Petznek (Referat 333 - Bildung in Regionen; Bildung für nachhaltige Entwicklung, Bundesministerium für Bildung und Forschung)
Dieser Programmpunkt findet in englischer Sprache statt.
10.05 Pause
10 Minuten Pause
10.15 Intro: Internationale Praxis
Vorstellung der internationalen Gäste
- Sachie Kumano (SDGs & ESD Promotion Division, Okayama City, Japan)
- Albert Roger Herreros (More Sustainable Schools Program, Barcelona City Council)
- Mervi Jansson (Chair of the Finnish VETQA committee and CEO of Omnia Education Partnerships) und
- Deligiannis Dimitrios (Deputy Mayor of Administration, Education and Lifelong Learning)
Dieser Programmpunkt findet in englischer Sprache statt.
10.25 Panel I: Internationale Praxis (Okayama | Barcelona)
"ESD Initiatives – Okayama, Japan"
Sachie Kumano (SDGs & ESD Promotion Division, Okayama City, Japan)
Anschließend Rückfragen
"“Escoles + Sostenibles” Barcelona ESD experience"
Albert Roger Herreros (More Sustainable Schools Program, Barcelona City Council)
Anschließend Rückfragen
Dieser Programmpunkt findet in englischer Sprache statt.
10.25 Panel II: Internationale Praxis (Espoo | Larissa)
"Sustainable Development in Education and Training, Case Espoo Finland"
Mervi Jansson (Chair of the Finnish VETQA committee and CEO of Omnia Education Partnerships)
Anschließend Rückfragen
"Larissa-Learning City: The challenges of the future for a sustainable and democratic learning city in times of crisis"
Dimitrios Deligiannis (Deputy Mayor of Administration, Education and Lifelong Learning)
Anschließend Rückfragen
Dieser Programmpunkt findet in englischer Sprache statt.
11.35 Pause
40 Minuten Mittagspause
12.15 Digitaler Gallery-Walk
Rekapitulation aller vier Vorträge in Form eines "Galerie-Rundgangs" durch die Graphic Recordings (mit Zeichnungen illustrierte Protokolle der Vorträge)
Dieser Programmpunkt findet in deutscher Sprache statt.
12.45 Transfer: Von der internationalen Praxis zur deutschen Kommune
Austausch in Kleingruppen zu der Übertragbarkeit zentraler Punkte der internationalen Beispiele in die Praxis deutscher Kommunen.
Dieser Programmpunkt findet in deutscher Sprache statt.
13.45 Pause
10 Minuten Pause
13.55 Fazit: Von der internationalen Praxis zur deutschen Kommune
Zusammenfassung der Ergebnisse aus den einzelnen Gruppen im Plenum.
Dieser Programmpunkt findet in deutscher Sprache statt.
14.15 Abschluss
Feedback - Zeit für Ihre Rückmeldungen und Wünsche.
Abschied mit Dr. Lea Schütze (Leiterin Standort Süd, BNE-Kompetenzzentrum)
Dieser Programmpunkt findet in deutscher Sprache statt.
14.30 Ende
Ende der Veranstaltung
Einführung
"Promoting Action on local level in the UNESCO-Programm „ESD for 2030“ in Germany"

Dr. Andrea Ruyter-Petznek
Leiterin des Referat 333 - Bildung in Regionen; Bildung für nachhaltige Entwicklung
Internationale Praxis

Barcelona
Barcelona liegt im Nordosten Spaniens am Mittelmeer und gehört mit rund 16.000 Einw./km² zu den Städten mit der höchsten Bevölkerungsdichte in der Europäischen Union. Zum Vergleich: Berlin hat eine Bevölkerungsdichte von etwa 4.000 Einw./km². Damit ist Barcelona viermal dichter besiedelt als die Hauptstadt Deutschlands.
Daraus ergeben sich für die Stadt viele Herausforderungen: Wie lassen sich Mobilität, Energie, Biodiversität, die Nutzung des öffentlichen Raums, Abfall und Wasser so regeln, dass negative Auswirkungen auf die Umwelt möglichst gering bleiben? Seit dem Jahr 2000 vertritt der Stadtrat die Ansicht, dass die Förderung von BNE in Barcelonas Schulen eines der besten Mittel ist, um diese Herausforderungen zu bewältigen und die Stadt widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen.
Das Programm „Escoles + Sostenibles“ wurde 2001 ins Leben gerufen. Ziel ist es, durch Bildung einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten und die Schulen als Akteure des Wandels in der Stadt zu nutzen. In den vergangenen zwanzig Jahren haben über 500 Schulen an dem Programm teilgenommen und Projekte zur Verbesserung der Nachhaltigkeit der Schulen und ihrer Umfelder in den Unterricht integriert.

Albert Roger Herreros
Albert Roger Herreros ist Umweltwissenschaftler und Spezialist für BNE und Umweltrecht. Er arbeitet im Büro des Programms "More Sustainable Schools" (katalanisch: „Escoles + Sostenibles”) bei der Stadtverwaltung Barcelona.
In seinem Vortrag „Escoles + Sostenibles: Barcelona ESD Experience“ wird er das Programm und die Erfahrungen der Stadt bei der Implementierung von BNE im schulischen Bereich vorstellen.

Espoo (Finnland)
Die international ausgerichtete Stadt Espoo ist die zweitgrößte Kommune Finnlands. Als eine der ersten Städte weltweit beteiligte sie sich am UNESCO Global Network of Learning Cities sowie bei den regionalen Kompetenzzentren für BNE (RCEs). Es ist nicht nur ihr Anliegen eine der nachhaltigsten Städte Europas zu werden, sondern ihre Bürgerinnen und Bürger an BNE intensiv zu beteiligen (open school concept). In Kooperation mit der Aalto University wird seit 2016 ein neues Bildungskonzept „School as a Service“ (SaaS), angelehnt an „Software as a Service“ erprobt.
Auch werden in der beruflichen Bildung die Nachhaltigkeitsziele der UN (SDGs) behandelt: Grüne Kompetenzen sind in der finnischen Berufsbildung ein Bestandteil aller Abschlüsse. Außerdem gibt es ein Wahlmodul zum Thema Klimaschutz und berufliche Qualifikationen (der Stufen 4 und 5 des Europäischen Qualifikationsrahmen) zu Nachhaltigkeit und Umwelttechnologie. In diesem Jahr wird dafür die zweite Kohorte finnischer Lehrkräfte und Führungskräfte geschult.

Mervi Jansson
Vorsitzende des finnischen VETQA-Ausschusses (Ausschuss für die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Berufsbildung) und Geschäftsführerin von Omnia Education Partnership
Mervi Jansson hat sich dem Thema des lebenslangen Lernens verschrieben und verfügt über 20 Jahre vielfältige Erfahrung in der Entwicklung der Berufsbildung. Sie hatte Schlüsselrollen in mehreren nationalen und internationalen Projekten zum Aufbau und zur Entwicklung der Berufsbildung auf struktureller Ebene inne und arbeitet derzeit mit der European Training Foundation (ETF) und dem Internationalen Zentrum für Berufsbildung der UNESCO (UNEVOC) an der Förderung von Exzellenz in der Berufsbildung.
Omnia Education Partnerships (OEP) ist der internationale Geschäftszweig von Omnia, der Bildungsbehörde der Region Espoo und eine der größten Bildungs- und Ausbildungsorganisationen in Finnland. OEP bietet Beratungs- und Schulungslösungen für Organisationen des öffentlichen und privaten Sektors an. OEP wurde von der finnischen Bildungsbehörde als eine Organisation ausgewählt, die die Umsetzung der SDGs in der finnischen Berufsbildung mit einem beruflichen Entwicklungsprogramm unterstützt. Mervi Jansson ist eine der Expertinnen und Experten, die das Programm durchführen.

Larissa (Griechenland)
Larissa, eine Stadt mit 160.000 Einwohnern, ist die Hauptstadt der Provinz Thessalien und liegt in einer ländlichen Gegend in Mittelgriechenland. Sie ist ein wichtiger Knotenpunkt für Handel, Verkehr und Kommunikation und verfügt über zwei öffentliche Krankenhäuser, zwei Hochschuleinrichtungen, mehrere Berufsschulen und zahlreiche Museen, die die 8000-jährige Geschichte der Stadt und ihre lebendige Kultur zeigen.
Als Antwort auf sozio-ökonomische Herausforderungen der letzten Jahre stellt Larissa seine Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt und fördert Möglichkeiten zum Lernen, zur Bildung und zur Teilnahme an alltäglichen Aktivitäten. Dafür wird ein leistungsfähiges Netzwerk zwischen dem öffentlichen Sektor, zivilgesellschaftlichen Organisationen und den Bürgerinnen und Bürgern aufgebaut, das zu kreativen, erfolgreichen Projekten führt, die sich an den Bedürfnissen und Interessen der Menschen orientieren, insbesondere an denen vulnerabler Gruppen.
In den letzten fünf Jahren wurden erfolgreiche Projekte zur Förderung des lebenslangen Lernens in der Kommune sowie Konferenzen und Workshops mit einer beträchtlichen Anzahl von Teilnehmenden organisiert. Larissa ist es dabei gelungen, sowohl mit den städtischen Akteurinnen und Akteuren zusammenzuarbeiten, als auch weitere griechische Kommunen in ein Netzwerk für Lebenslanges Lernen einzubeziehen.
Die Stadt Larissa wurde als erste griechische Stadt Mitglied des UNESCO Global Network of Learning Cities und öffnete damit den Weg für andere griechische Städte. 2017 wurde Larissa mit dem UNESCO Learning City Award ausgezeichnet. Im Jahr 2018 wurde die Citizens' University gegründet, ein innovatives Projekt für non-formale Bildung, das bereits zwei europäische Auszeichnungen (Grundtvig Award, ausgewählt als eine der zehn besten Bildungsinitiativen durch das Innovation in Politics Institute) erhielt und mit seinen Bildungsprogrammen Tausende Menschen erreicht.

Dimitrios Deligiannis
Stellvertretender Bürgermeister für Verwaltung, Bildung und Lebenslanges Lernen

Okayama (Japan)
Die Stadt Okayama liegt auf der japanischen Hauptinsel und ist der Verwaltungssitz der gleichnamigen Präfektur Okayama. Mit rund 720.000 Einwohnern ist sie die zwanzigstgrößte Stadt im dicht besiedelten Japan und gilt als wichtiges Agrar-, Industrie- und Handelszentrum.
Bereits 2005 wurde in Verbindung mit dem Start der UN-Dekade für BNE das Netzwerk aus Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Bürgergruppen "Okayama ESD Promotion Commission" gegründet und als eines der ersten regionalen Kompetenzzentren für BNE (RCE) akkreditiert. Im Jahr 2016 trat die Stadt Okayama dem UNESCO Global Network of Learning Cities bei und wurde mit dem UNESCO Global Network of Learning City Award 2017 ausgezeichnet.
Die Umsetzung von BNE vor Ort findet hauptsächlich in lokalen Lernzentren - den Kominkans - statt. Okayamas' Kominkans wurden in allen 37 Schulbezirken eingerichtet, um auf die spezifischen Herausforderungen und Potenziale der jeweiligen Bezirke einzugehen. Dies geschieht immer im Einklang mit der stadtweiten Strategie, die eine 10-Jahres-Perspektive hat und alle fünf Jahre überprüft wird, um ihren Erfolg sicherzustellen.
Okayama City stellt den Kominkans Ressourcen zur Verfügung, bietet strategische Beratung im Rahmen einer Gesamtstrategie, stellt Infrastruktur zur Verfügung und unterstützt die Kominkans in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. Durch eine systematische Leistungskontrolle will die Stadt sicherstellen, dass die Bildungsangebote und -aktivitäten sowohl effektiv sind als auch den Grundsätzen der BNE und den lokalen und globalen Entwicklungszielen dienen.

Sachie Kumano
Änderungen vorbehalten
Moderation

Dr. Angela Firmhofer


Kontakt

Antje Müller

Anmeldung
Die Anmeldefrist wurde bis zum 18.3.2022 verlängert. Die Teilnahmevoraussetzungen sind für die Vergabe der Restplätze aufgehoben.
