Symbolbild: jubge Pflanzen werden gewässert

Der kommunale Mehrwert von Bildung für nachhaltige Entwicklung und was das DKBM damit zu tun hat (Teil 1)

Warum es sich für Kommunen lohnt, BNE und nachhaltige Entwicklung ganz oben auf die (Bildungs-)Agenda zu setzen

Nachhaltigkeit ist in aller Munde: ob fair gehandelte Produkte, ökologisch und sozial produzierte Kleidung, Greta Thunberg, E-Autos – um Nachhaltigkeit kommt niemand herum; Nachhaltige Entwicklung ist das Thema der Gegenwart und Zukunft. Auch Kommunen sollten und müssen sich mit dieser Thematik auseinandersetzen um zukunftsfähige Strukturen und Routinen aufzubauen.

Kommunen, die nachhaltige Entwicklung heute strategisch angehen, planen ihre Zukunftsfähigkeit und nutzen dabei eigene Gestaltungsspielräume. Ein zentrales Moment beim Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft ist die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Sie befähigt alle Gesellschaftsmitglieder dazu, das notwendige Wissen zu erlangen und die Gestaltungskompetenzen auszubilden, um aktiv diesen (notwendigen) Wandel mit zu gestalten. Dafür muss BNE auch vor Ort, in der Kommune stärker verankert werden (siehe Nationaler Aktionsplan (NAP). Über diese generelle Notwendigkeit hinaus gibt eine ganze Reihe guter Gründe für Städte, Landkreise und Gemeinden, die Implementation von Bildung für nachhaltige Entwicklung in die kommunalen Strukturen anzugehen bzw. weiterzuentwickeln.

Der folgende Text zeigt aus kommunaler Sicht die Mehrwerte (das „warum“?) auf, welche sich aus der Beschäftigung mit BNE im Kontext kommunaler Bildungslandschaften ergeben. Er liefert Argumente für eine Verankerung von BNE in kommunale (bildungspolitische) Strategien und Steuerungskreisläufe und stellt Anknüpfungspunkte zu dem bereits vielfach etablierten kommunalen Bildungsmanagement her. Dafür skizziert er zunächst die Vorteile und Nutzen von BNE für die gesamte Kommune dar. Anschließend geht er darauf ein, inwiefern ein Andocken von BNE in das kommunale Bildungsmanagement für eine gelingende Verankerung in kommunale Bildungslandschaften ein guter Ansatzpunkt sein kann.

Vorteile und Nutzen von BNE für die ganze Kommune

Standortfaktor

Die strategische Ausrichtung der Kommune auf Nachhaltigkeit und auf BNE als ‚Werkzeug‘ für mehr Nachhaltigkeit ist ein deutlicher Standortfaktor: Wo sich eine Kommune diesen Themen verschreibt, kann eine optimale Infrastruktur geschaffen werden, so dass sich mehr und mehr Unternehmen der sogenannten ‚green economy‘ ansiedeln. Diese wiederum können die bisherigen Ansätze im Bereich nachhaltiger Wirkung unterstützen, verstärken und vorantreiben. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist dabei das Rüstzeug, um Bewusstsein und Möglichkeitsspielräume für nachhaltige Entwicklung zu schaffen. Die Strahlkraft von nachhaltigen Entwicklungsstrategien gilt auch für den Bildungskontext: So bietet eine starke kommunale BNE-Bildungslandschaft ein Netzwerk, aus dem weitere Initiativen entstehen oder sich ansiedeln können.

Allgemeine Wohlfahrt

Eine politische Schwerpunktsetzung auf BNE fördert insgesamt die allgemeine Wohlfahrt. Ein umfassendes, bedarfsgerechtes, niedrigschwelliges Bildungsangebot mit Schwerpunkt BNE erhöht das Bewusstsein für ökologische, ökonomische und soziale Aspekte vor Ort. Dies wirkt sich mittel- und langfristig auf das Miteinander aus und kann sozialen Ungleichheitslagen begegnen und dabei helfen, diese ausgleichen. Über die genannten Bildungsprozesse können beispielsweise die Akzeptanz innovativer Mobilitätskonzepte erhöht, die Müllproduktion verringert oder aber die Gesundheitslagen der Bewohnerinnen und Bewohner einer Kommune gesteigert werden. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist darum unmittelbarer Baustein einer zukunftsfähigen Kommune.

Außenwirkung

Bildung für nachhaltige Entwicklung bietet erhebliche Potenziale für die kommunale Außenwirkung. Die Vermarktung als nachhaltige Kommune steigert die Sichtbarkeit interkommunal, aber auch im Landes-, Bundes- sowie im EU-Kontext. Dies fördert insgesamt die Aufmerksamkeit gegenüber kommunalen Interessen auf nationaler und internationaler Ebene. Über die Teilnahme an vielfältigen Wettbewerben, Preisen, Förderprogrammen und Vernetzungsformaten für und von Kommunen welche sich mit der Implementation und Weiterentwicklung von BNE beschäftigen, werden die jeweiligen Bemühungen in diesem Bereich erkennbar und steigern den positiven Markenkern eines Landkreises, einer Stadt oder einer Gemeinde.

Partizipation

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ein partizipatives Bildungskonzept. Die damit einhergehende gesteigerte Wahrnehmung von Selbstwirksamkeit, Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten in der Bevölkerung fördert die soziale Inklusion und Kohäsion. Partizipation ermöglicht nicht nur die Entwicklung bedarfsgerechter, innovativer und nachhaltiger Maßnahmen, sondern fördert auch deren Akzeptanz bei der Umsetzung.

BNE bietet das Rüstzeug für Bürgerinnen und Bürger, ökonomische, soziale und politische Wandlungsprozesse zu verstehen und resilienter gegenüber Verschwörungsmythen und „fake news“ zu werden. Dies stärkt die demokratischen Prozesse und die Integrationskraft in einer Kommune.

Konsequenzen aus der Corona-Pandemie

Ganz aktuell verweist (neben dem Klimawandel) auch Corona auf die Relevanz nachhaltiger Raumentwicklung. So resultiert das Virus aus der Überschreitung natürlicher Grenzen und der Missachtung von Lebensräumen von Tieren und Pflanzen (z. B. Verstärkung von Zoonosen). Nachhaltiges kommunales Handeln, etwa in der Bau- und Verkehrspolitik, kann solche Mensch-Natur-Konflikte zukünftig verhindern helfen. Des Weiteren bietet BNE, wie im vorangegangenen Abschnitt angedeutet, eine Grundlage um partizipativ auch mit den gesamtgesellschaftlichen Folgen der Pandemie umzugehen und gemeinschaftlich Lösungen zu finden.

Nicht nur, aber insbesondere angesichts der Pandemie- und natürlich der Klimakrise wird deutlich, welchen Mehrwert es für Städte, Gemeinden und Landkreise haben kann, sich ganzheitlich auf das Thema Nachhaltigkeit ein- und als zukunftsfähige Kommunen aufzustellen. Bildung für nachhaltige Entwicklung schärft dabei den Blick für die gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge und Herausforderungen und bietet die Möglichkeit, partizipativ Lösungen für globale Fragen auf lokaler Ebene zu finden.

Autorin

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Dr. Lea Schütze, Projektleiterin am Standort Süd bei der Unterzeichnung der Zielvereinbarung

Dr. Lea Schütze

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11. Juni 2021 | Dr. Lea Schütze
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