Interkommunale Qualifizierung BNE-Kompetenzzentrum

Dokumentation BNE und Partizipation

Materialien und Ergebnisse zum Nachlesen

Am 01. Dezember 2021 fand am Standort Süd des BNE-Kompetenzzentrums der zweite interkommunale Qualifizierungsworkshop statt. Der dreieinhalbstündige Workshop ging der Frage nach, wie Kommunen Beteiligungsprozesse im Kontext einer BNE vorantreiben können. Das Format wurde digital per Webex durchgeführt.
16 Teilnehmende aus 10 Kommunen waren dabei anwesend, darunter auch einige Vertreterinnen und Vertreter aus zivilgesellschaftlichen Organisationen. Dr. Angela Firmhofer, Lisa Artmaier sowie Tibor Manal leiteten durch die Veranstaltung.

Interkommunale Qualifizierung

Datum (von, bis)
09.00 - 12.30 Uhr

digitale Veranstaltung

Die Veranstaltung war in drei inhaltliche Blöcke unterteilt:

  • Einführung zu Hintergründen von Partizipation sowie schematische Kategorisierung kommunaler Beteiligungsprozesse
  • Interview mit Dr. Cornelia Ehmayer-Rosinak zur Entstehung der Lokalen Agenda 2030 in Wien
  • Kleingruppenarbeit zu Herausforderungen, Zielgruppen und zur Ergebnisverwertung im Kontext kommunaler Beteiligungsprozesse

Zur Einstimmung widmeten sich die Teilnehmenden gemeinsam der Frage „Was verbinden Sie mit Partizipation?“:

Wortwolke zum Thema Was ist Partizipation

Vortrag: Was ist Partizipation?

Pyramidenmodell der Intensitätsgrade von Partizipation (Maier-Rabler, Ursula/Hartwig, Christiana

Dann gab Lisa Artmaier eine schematische Draufschau auf das Thema Partizipation im Allgemeinen. Dabei spielten vor allem die unterschiedlichen Intensitätsgrade, wie Partizipation geschehen kann, eine Rolle.

Anschließend ging Frau Artmaier der Frage nach, warum Partizipation für BNE essentiell ist? Zentral ist dabei, dass Partizipation sowohl als Ziel als auch Inhalt in einer BNE verankert ist.

Später wurde auf die Kompetenzen eingegangen, die Partizipation auszeichnen, und den Teilnehmenden wurden einige hilfreiche Tipps und Tools genannt, wie die Partizipation im öffentlichen Raum gelingen kann.

 

 

Downloads

Anhand der Kategorisierung nach Intensitätsgraden sammelten die Teilnehmenden im Anschluss kommunale Beispiele für Beteiligungsprozesse und diskutierten diese in Kleingruppen.

Ergebnisse Gruppe 1: "Welche Partizipationsmöglichkeiten bieten Sie in Ihrer Kommune?
Ergebnisse Gruppe 2: Welche Partizipationsmöglichkeiten bieten Sie in der Kommune?
Ergebnisse Gruppe 3: Welche Partizipationsmöglichkeiten bieten Sie in der Kommune?

Interview: Aufbau von partizipativen Strukturen am Beispiel der lokalen  Agenda 21 in Wien

Foto Dr. Cornelia Ehmayer-Rosinak

 

Im zweiten Teil der Veranstaltung führte Tibor Manal ein Leitfrageninterview mit Dr. Cornelia Ehmayer-Rosinak. Die Referentin begleitete in den späten 1990er sowie 2000ern den Entstehungsprozess der Lokalen Agenda in Wien. Als gelernte Gesundheitspsychologin und Organisationsberaterin vermittelte Frau Ehmayer-Rosinak den Teilnehmenden einen sehr ehrlichen und differenzierten Blick auf Beteiligungsprozesse, die im Rahmen der Lokalen Agenda in Wien angestoßen wurden.

 

 

"Wenn die Leitung dem Veränderungsprozess nicht positiv gegenübersteht, ist die Gefahr des Scheiterns sehr hoch".

- Dr. Cornelia Ehmayer-Rosinak

Das Interview widmete sich vorwiegend folgenden Fragen:

Wie fing der Prozess an?

Frau Ehmayer-Rosinak war zu Beginn des Prozesses in der Umweltberatung Wien, einer stadtnahen Organisation, tätig. Inspiriert durch die Agenda 21 Prozesse unter anderem in der Stadt München, beschäftigte sie sich mit der Frage, wie ein Beteiligungsprozess fundiert angegangen werden kann. Sie entwickelte ein komplexes Verfahren aus Verhaltensänderung und Organisationsverwaltung, welches sich - anders als in der Stadt München - eher organisch und unbürokratisch durchführen ließe. Ein zentraler Punkt bei ihren Überlegungen stellte der sehr komplexe Bereich der Partizipation dar.

Wie war der Prozess strukturiert?

Wien ist in 4 Agendaquartiere mit jeweils einer politischen Spitze eingeteilt. Durch eine persönliche Anfrage konnte die politische Leitung für das Pilotprojekt gewonnen werden.

Der Prozess war grob in folgende Phasen unterteilt:

  1. Analyse: Das Agendabüro analysierte durch Interviews im Stadtquartier, welche Themen die Menschen vor Ort beschäftigten und wer an welchen Projekten beteiligt war.
  2. Auftaktveranstaltung: Durch die vorherigen Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern und die damit verbundene Wertschätzung für deren Themen, wurde die Auftaktveranstaltung sehr gut angenommen.
  3. Zukunftsworkshops: In verschiedenen Zukunftsworkshops beschäftigten sich die Teilnehmenden mit den Themen Beleben und Bewegen in ihrem Bezirk.
  4. Arbeitskreise: Im Anschluss formierten sich Arbeitskreise.
  5. Projektumsetzung: Diese Arbeitskreise setzten verschiedenen Projekte um.

 

Welche Zielgruppen und Vernetzungsmuster ergaben sich im Prozess?

Durch aktivierende Startinterviews wurden viele Menschen in den Quartieren erreicht und als Fachleute für ihren Sozialraum wahr- und ernstgenommen.

Welche Erfahrungswerte stellten sich während des Prozesses ein?

Partizipationsprozesse sind Veränderungsprozesse. Dies bedeutet, dass die (politische) Leitung involviert werden und dem Vorhaben generell positiv gegenüber stehen muss. Darüber hinaus sollte evidenzbasiert vorgegangen werden, was eine ständige Begleitung durch eine Evaluation voraussetzt. Eine wichtige Aufgabe der koordinierenden Stelle ist die Vernetzung der einzelnen Akteure und Akteurinnen und ein Empowermentanspruch. Letztendlich müssen aber vor allem Zeit und Ressourcen bei allen Teilnehmenden vorhanden sein.

 

Frau Ehmayer-Rosinak konnte durch ihre langjährige Erfahrung aus dem Vollen schöpfen und den Teilnehmenden ein praxisnahes und erlebbares Bild des Prozesses in Wien zeichnen.
 

Ihre Präsentation finden Sie hier zum Download:

Praxisphase

Im dritten Teil kamen die Teilnehmenden innerhalb drei thematischer Kleingruppen verstärkt ins Diskutieren. In der ersten Kleingruppe stand Frau Ehmayer-Rosinak den Teilnehmenden bei Herausforderungen während Beteiligungsprozessen mit Rat und Tat zur Seite. Frau Artmaier stellte die Frage, welche Zielgruppen für Beteiligungsprozesse besonders in den Kommunen anvisiert werden. Frau Firmhofer ermöglichte in ihrer Kleingruppe wiederum einen Austausch zur Ergebnisverwertung und zum Transfer von Beteiligungsprozessen. Da die Gruppen rotierten, gab es für alle Teilnehmenden die Möglichkeit sich in allen Kleingruppen einzubringen.

Gruppe: Blockaden bei der Gestaltung von Partizipation
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Gruppe "Welchen Zielgruppen möchten Sie mehr Teilnahme ermöglichen und wie?
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Zielgruppen14.98 KB

 

In der dritten Gruppe wurde darüber diskutiert, wie Ergebnisse von Partizipationsprozessen innerhalb der Verwaltung verwertet bzw. übertragen werden können.

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Fazit

Im Rahmen der vielen Diskussionen und des konstruktiven Ausstauschs wurde deutlich, dass das Thema der Partizipation für Kommunen bereits einen enormen Stellenwert hat und sie sich dem Thema annehmen. Auch wurde die Wichtigkeit unterstrichen, Partizipation als ständigen Begleiter im gesamten BNE-Prozess zu sehen.

Der Standort Süd bedankt sich bei allen Teilnehmenden für die gelungene Veranstaltung und wünscht derweil eine besinnliche Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest.

 

Weihnachtswünsche der Teilnehmenden

Literaturhinweise

Wenn Sie sich weiter in das Themenfeld Partizipation einlesen möchten, finden Sie hier eine nicht abschließende Literaturliste:

  • Webseite mit zahlreichen Informationen, Methoden usw.: https://partizipation.at/
  • Arbeitsblaetter der Strategiegruppe Partizipation (2012): https://partizipation.at/partizipation-verstehen/basiswissen/nutzen-und-grenzen/
  • Grünbuch Partizipation im digitalen Zeitalter (Wien, 2020): https://www.oeffentlicherdienst.gv.at/verwaltungsinnovation/oeffentlichkeitsbeteiligung/201103_Partizipation_Gruenbuch_A4_BF.pdf?7vj62a
  • Handbuch Buergerbeteiligung (2012): https://partizipation.at/partizipation-verstehen/basiswissen/ablauf/
  • Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung von ÖGUT (2005): https://www.oegut.at/downloads/pdf/part_hb-oeff-beteiligung.pdf
  • Handbuch Partizipation (Berlin, 2012): https://www.stadtentwicklung.berlin.de/soziale_stadt/partizipation/download/Handbuch_Partizipation.pdf
  • Praxisbuch Partizipation (Wien): https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/studien/pdf/b008273.pdf
  • Praxisleitfaden zu Standards der Öffentlichkeitsbeteiligung von Arbter (2011): https://partizipation.at/wp-content/uploads/2021/06/standards-der-oeffentlichkeitsbeteiligung-praxisleitfaden.pdf

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